Für alle, die einst in der DDR ein Studium absolviert oder dort wisseschaftlich gearbeitet haben, gibt es Möglichkeiten die alten Kontakte aufzufrischen und zu pflegen. 

 

https://www.alumniportal-deutschland.org/


so auch für die Ehemaligen vom Bogensee.

http://www.jugendhochschule.org/

 

Studenten - ein Fachkräftereservoir?

Noa aus Sambia

Mein Name ist Noa, und ich komme aus Sambia. 1984 bin ich in die DDR gekommen, um eine Ausbildung als Technologe für Melioration zu absolvie­ren. Die Ausbildung entsprach nicht dem, was man uns gesagt hatte. Des­halb hatte ich 1987 Schwierigkeiten, eine Arbeit in meiner Heimat zu finden. Im Dezember 1988 kehrte ich wieder in die DDR zurück, weil ich eine deutsche Frau heiraten wollte. Seit dieser Zeit lebe ich mit meiner Ehefrau und einem Kind in Leipzig.

 

Ich habe nun einen unbefristeten Aufenthalt in Deutschland. Auch in der DDR hatte ich Schwierigkeiten, eine Arbeit zu finden, weil meine Ausbil­dung, die ich hier erhalten hatte, nicht anerkannt wurde. Das war ein Grund, weshalb ich ein Studium an der Univer­sität Leipzig aufnahm. Ich wurde 1990 an dem Institut für tropische Landwirt­schaft immatrikuliert. Vom September 1990 bis Dezember 1990 erhielt ich ein Stipendium nach dem damals fortgel­tenden DDR-Recht. Am 1.1. 1991 trat das BAföG auch in den neuen Bundes­ländern in Kraft. Da die staatliche För­derung der Ausbildung von Studenten von diesem Zeitpunkt an ausschließlich nach Maßgabe des BAföG fortgeführt wurde, waren Leistungen auf Grund des außer Kraft getretenen DDR-Sti­pendienrechts nicht mehr möglich. In­folgedessen wurde auch die Stipen­dienzahlung an mich eingestellt. Die Ablehnung wurde damit begründet, dass ich die für eine Förderung von Aus­ländern nach dem BAföG vorgegebe­nen Voraussetzungen nicht erfülle.

Ich habe bei vielen Stiftungen versucht, ein Stipendium zu bekommen aber alle lehnen meinen Antrag ab. Ich finde mein Studium sehr wichtig, so dass ich es nicht aufgeben möchte. Finanziell sieht es bei uns nicht gut aus. Meine Frau wurde arbeitslos und sie macht jetzt gerade ihre. Umschulung und und sie verdient nicht viel. Sozialhilfe be­kommen wir auch nicht, mit der Be­gründung, dass man keine Sozialhilfe an Studenten zahlt.

So kann man sagen, dass es keinen Grund gibt, jeden Ausländer, der hier lebt, zu beneiden und zu glauben, daß es ihm zu gut geht. Wir haben ebenfalls, wie viele Deutsche auch, große Angst vor der Gewalt auf der Straße.

Student aus Madagaskar

Am 05. 09. 85 kam ich zum Zwecke meines Forstwirtschaftsstudiums in die damalige DDR. Vorerst erhielt ich ein Jahr Sprachvorbereitung im Herder-Institut in Leipzig, ich möchte darauf hinweisen, daß ich erstmals in einem europäischen Land war. Damals hatte ich gerade wegen der deutschen Spra­che Zweifel, ob ich das Studium auch wirklich schaffen könnte, da ich ohne jegliche Sprachvorbereitung kam. Das hochorganisierte und hilfsbereit aufge­baute Herder-Instituts-Lehrerkollektiv half mir damals, über diese Schwierig­keiten hinwegzukommen.

Am 4. Oktober 1986 zog ich nach Tharandt (bei Dresden), um das eigent­liche Studium in Angriff zu nehmen. Ich kann mich gut erinnern, daß ich im 1. Semester sehr freundlichen Kontakt hatte zu allen Studienkollegen. Sogar ein Studentenbetreuer wurde uns zur Seite gestellt Doch die Studentenbe­treuer, die meistenteils im FDJ-Auftrag handelten, waren gerade deswegen eine zwiespältige Sache. Ich fühlte mich manchmal beobachtet und ausgefragt. Nach dieser Zeit, ungefähr ab dem 2. Semester, war für mich umso deutlicher, daß ich ein Ausländer bin. Detaillierter heißt das, offizieller Respekt - persönli­che Ausgeschlossenheit. In dieser Zeit heiratete ich und wurde Vater.

Dann kam die Wendezeit. Nicht nur eine Identitätskrise für DDR-Bürger, sondern auch für die Ausländer. Punkt. Der farbige Ausländer wurde ein „geborenes" Pro­blem. Unfreundlichkeit war plötzlich allgemein, auch Respektlosigkeit. Das alles spitzte sich zum „Asylanten-Umgang" zu. Das Ergebnis: Der aus­ländische Student war nun ein Asylant.

 

Da die damaligen DDR-Verträge keine Gültigkeit mehr besaßen, enstanden Finanzierungsverantwortungsprobleme für die Rückfahrt unserer Fami­lie. Niemand wollte uns eigentlich glau­ben, daß wir wirklich zurückfliegen wollten. Ein Allein-Kampf begann!

Ausnahmen sprengten den Ge­samteindruck. Ich bedanke mich bei der „Evangelischen Mission Leipzig". Mein besonderer Dank gilt Herrn Dieter Braun. Dieser ermöglichte es uns schließlich, nach Hause zu fliegen.

 

Anfangs: Auf der Straße beachtet -offiziell, teilweise persönlich ausge­schlossen - katapultierte uns die „Wendezeit" an den Straßengraben. Danach standen wir im Straßengraben, versteckten uns. Heute: Der Straßen­graben wird mit Unkraut-ex gespritzt. Zum Glück machen beispielhafte Aus­nahmen die Regel streitig!



Im online Magazin QUETZAL schrieb  im Frühjahr 1995 über seine Studenten-Zeit in Leipzig.